Intentionalität

„I.“ ist ein philosophischer Fachterminus, der die Eigenschaft geistiger und sprachlicher Phänomene bezeichnet, auf einen Gegenstand (im weitesten Sinn) gerichtet zu sein: Man freut sich auf etwas, fürchtet sich vor etwas oder redet über etwas. Als intentional in diesem Sinn gelten auch Einstellungen, die auf einen sogenannten propositionalen (d. h. satzartigen) Gehalt gerichtet sind: Man glaubt, dass es regnet; man hofft, dass die Sonne scheint.

Der Begriff der I. wurde durch Franz Clemens Brentano in die moderne philosophische Diskussion eingeführt. F. C. Brentano vertritt die These, dass alles Geistige – und nur das Geistige – durch I. gekennzeichnet ist, die er auch als Eigenschaft geistiger Phänomene beschreibt, einen Gegenstand „in sich zu enthalten“, der auch unabhängig existieren kann, aber nicht muss. So kann man sich vor einem Hund fürchten, den es gar nicht gibt. F. C. Brentano stellt damit zwei Thesen auf: Zum einen, dass I. notwendig und hinreichend dafür ist, dass ein Phänomen als geistig (oder wie F. C. Brentano sagt, „psychisch“) gelten kann; und zum anderen, dass die Bezugsobjekte intentionaler Zustände (sogenannte intentionale Objekte) durch eine bes. Seinsweise charakterisiert sind, die er als „mentale Inexistenz“ bezeichnet. Beide Thesen verweisen auf zentrale Probleme der aktuellen Philosophie des Geistes und der Sprachphilosophie. F. C. Brentanos erste These, dass I. ein eindeutiges Kriterium für das Geistige ist, kann mit guten Gründen bezweifelt werden. Viele Zustände mit einem spezifischen Erlebnisgehalt (sogenannte Qualia) wie z. B. Schmerzempfindungen scheinen keinen intentionalen Bezug zu haben (Bauchschmerzen z. B. sind im, nicht über den Bauch), fallen aber zweifellos in den Bereich des Geistigen. F. C. Brentanos zweite These lässt sich so verstehen, dass die Bezugsobjekte mentaler Zustände auf eine bes. Weise existieren, indem sie im Geist desjenigen vorkommen, der sich intentional auf sie bezieht. Dies wirft u. a. die Frage auf, wie die Annahme einer besonderen Existenzweise intentionaler Objekte und propositionaler Gehalte mit einem (natur-)wissenschaftlichen Weltverständnis vereinbar ist.

Eine Möglichkeit, mit dieser Spannung umzugehen, besteht darin, intentionale Zustände auf naturalistische Weise zu erklären. Zwei bes. einflussreiche Naturalisierungsansätze sind die Ansätze von Fred Dretske und von Ruth Millikan. F. Dretske zufolge lassen sich die intentionalen Zustände von Menschen als informationstragende Zustände verstehen, während R. Millikan (wie später auch F. Dretske) zu ihrer Erklärung auf den Begriff der biologischen Funktion zurückgreift. Radikalere Formen des Naturalismus streiten dagegen bereits ab, dass es intentionale Zustände wirklich gibt. Vielmehr handle es sich lediglich um eine falsche, aber nützliche Beschreibung von Phänomenen, die vollständig auch ohne intentionales Vokabular beschrieben werden können. Gegen diese radikalen Auffassungen spricht jedoch u. a., dass sie mit unseren alltagspsychologischen Auffassungen nur schwer vereinbar sind.

Eine Alternative sind antireduktionistische bzw. antinaturalistische Ansätze wie die von John Searle und Robert Brandom. J. Searle entwickelt eine Analyse von I., die auf der Beobachtung beruht, dass es zwischen intentionalen Zuständen und Sprechakten wie Versprechen, Befehlen oder Behaupten eine Reihe von strukturellen Gemeinsamkeiten gibt. Dabei ist die I. von Sprechakten J. Searle zufolge von derjenigen mentaler intentionaler Zustände abgeleitet.

Im Rahmen seiner inferentialistischen Semantik erklärt R. Brandom die Bedeutung intentionaler Zustände über ihre Rolle innerhalb von Schlussfolgerungen (Inferenzen). Dabei wird die Korrektheit solcher Schlussfolgerungen durch Normen bestimmt, die in unserer diskursiven Praxis (Diskursethik) implizit enthalten sind. Letztlich wird der Gehalt intentionaler Zustände bei R. Brandom also über eine soziale Praxis erklärt. Der bedeutungstragende Charakter intentionaler Zustände ist im Rahmen einer solchen Konzeption nur aus der Perspektive eines Praxisteilnehmers verständlich zu machen, die durch naturalistische Ansätze nicht eingefangen wird.