Österreichischer Katholikentag

1. Ursprünge

Ausgehend von den Pius-Vereinen für religiöse Freiheit, die im Oktober 1848 zu einer ersten Generalversammlung in Mainz zusammentrafen, wurden die von da an jährlichen Versammlungen unter dem Namen Deutsche Katholikentage zugl. auch ö. K.e, da Österreich bis 1866 dem Deutschen Bund angehörte. Fünf dieser jährlichen Generalversammlungen tagten in Österreich: 1850 in Linz, 1853 in Wien, 1856 wieder in Linz, 1857 in Salzburg und 1867, bereits nach dem Ausschluss Österreichs, noch einmal in Innsbruck.

2. Abwehr und Verteidigung

Mit dem Ersten Allgemeinen österreichischen Katholikentag für die gesamte Monarchie des Jahres 1877 (20.4.–3.5.) in Wien, auf dem die Schulfrage im Mittelpunkt der Beratungen stand, wurde die Reihe der ö.n K.e in der Zeit der Monarchie eröffnet. Der Zweite, 1889 ebenfalls in Wien abgehaltene K., befasste sich in der Hauptsache mit der „sozialen Frage“. Der Dritte, 1892 in Linz abgehaltene K. stellte wichtige Weichen in Bezug auf das katholische Selbstverständnis in schwieriger Zeit, v. a. mit der Initiation der 1894 erstmals erscheinenden „Reichspost“, die sich alsbald zum katholischen Zentralorgan entwickelte. Der Initiative angesehener Salzburger Katholiken gelang 1896 das Zustandekommen des Vierten ö.n K.es. Thema war u. a. die Notwendigkeit einer einheitlichen, unpolitischen katholischen Organisation. Der aufbrechende Modernismusstreit (Modernismus) überschattete den Fünften ö.n K. von 1905, dessen wichtigstes Ergebnis die Gründung des Pius-Vereines zur Förderung der katholischen Presse war.

Am Sechsten ö.n K. in Mariazell (1907) waren erstmals Frauen zu den beschlussfassenden Versammlungen zugelassen. Im Jahr 1910 wurde schließlich in Innsbruck der Siebente und letzte ö. K. abgehalten. Der 1913 in Linz tagende K. war kein allg.er mehr, sondern ein nationaler Katholikentag der Deutschen Österreichs“.

Der Erste Weltkrieg bedeutete eine Zäsur auch in der Geschichte der Kirche Österreichs. An der Abschlusskundgebung des letzten Allgemeinen österreichischen Katholikentages 1923 auf dem Heldenplatz nahmen an die 450 000 Menschen teil. 1933, im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, wurde – in dem Bewusstsein, eine „deutsche Aufgabe“ gegenüber dem Nationalsozialismus zu heben – ein „Allgemeiner Deutscher Katholikentag“ nach Wien ausgeschrieben, dessen Organisation zu einem großen Teil in den Händen sog.er betont nationaler Katholiken lag.

3. Standortbestimmung und geistige Neuorientierung

Die insgesamt vier K.e nach dem Zweiten Weltkrieg wurden, entspr. der neuen Struktur des österreichischen Katholizismus in der Zweiten Republik, zur Gänze von der Katholischen Aktion in enger Verbindung mit den Bischöfen organisiert. Ihre Devisen spiegeln klar und deutlich den Weg der Kirche durch diese Zeit wider. Der K. 1952 in Wien (mit einem vorausgegangenen Studientag in Mariazell) stand unter dem Motto „Freiheit und Würde des Menschen“. Es folgten Treffen 1962 in Salzburg (mit einem vorausgegangenen Studientag in St. Pölten) und der Devise „Löscht den Geist nicht aus“, 1974 wieder in Wien, diesmal in Anschluss an den österreichischen Synodalen Vorgang, mit der Devise „Versöhnung“, und schließlich 1983 wiederum in Wien, in Verbindung mit dem ersten Pastoralbesuch Papst Johannes Pauls II., mit der Devise „Hoffnung geben – Hoffnung leben“. Zum ersten Mal trug nun ein ö. K. durch Miteinbindung der anderen Kirchen des Landes einen deutlichen ökumenischen Akzent. Im Gefolge dieser Veranstaltung tauchte die Frage auf, ob eine neue Form der Selbstdarstellung des österreichischen Katholizismus auch in Zukunft „K.“ heißen müsse. Unter dem Eindruck eines langsam zusammenwachsenden Europas versammelte der Mitteleuropäische Katholikentag im Mai 2004 in Mariazell unter dem Motto „Christus – Hoffnung Europas“ erstmals fast 80 000 Pilger aus den acht teilnehmenden Staaten: Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Österreich. Er weitete den Blick über die Grenzen Österreichs hinaus, entspr. der grenzüberschreitenden Botschaft des christlichen Glaubens.