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1. Begriff und Bedeutung

L. ist die alltagssprachliche Bezeichung für einen Konsum, Lebensstil oder Aufwand, der das sozial Notwendige bzw. das als gesellschaftlich „normal“ erachtete Ausmaß übersteigt. Aufgrund der spezifischen Normvorstellungen, die historisch geprägt, regional differenziert und insb. kulturell wandelbar sind, ist eine einheitliche Definition des Begriffes nicht möglich. Insb. der materielle Versorgungsstand der Bevölkerung sowie die Verteilung von Konsumgütern und -chancen auf unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen haben einen Einfluss auf die inhaltliche Charakterisierung von L. L.-Güter können aufgrund eines ansteigenden gesellschaftlichen Wohlstandsniveaus zu normalen Ge- oder Verbrauchsgütern werden, während sich in wirtschaftlichen Notzeiten ehemals selbstverständliche Konsumgewohnheiten zu einen exorbitanten L. entwicklen können. Darüber hinaus beeinflussen auch moralische Wertvorstellungen die jeweilige Kennzeichung von L. Wissenschaftliche Betrachtungen zum Thema L. finden sich insb. in der Volkswirtschaftslehre sowie in der Konsumsoziologie (Soziologie).

2. Dogmengeschichtlicher Überblick

In der Wirtschaftstheorie lassen sich die ersten Ausführungen zu L. bereits im Merkantilismus und der Physokratie finden, wobei inhaltlich v. a. die Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktion sowie die kreislaufstimulierende Wirkung von L. betrachtet wurde. Die Merkantilisten sahen in L.-Gütern schlicht eine Komponente der effektiven Nachfrage, deren Produktion, v. a. für den Export, gefördert werden sollte. Eine erste gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit L. wird dann von den Physiokraten vertreten, die zwischen einem produktiven Verbrauch der Bauern und einem unproduktiven L.-Konsum des Adels differenziert haben. Sowohl David Ricardo wie auch Karl Marx haben diese Überlegungen später aufgegriffen und zur Bestimmung von L.-Produkten bzw. eines Kapitalistenkonsums, der die kapitalistische Ausbeutung widerspiegelt, verwendet. In der klassischen Nationalökonomie wurde L. weitgehend als nicht notwendiger Konsum angesehen, der jedoch als Teilkomponente der effektiven Nachfrage eine positive gesamtwirtschaftliche Wirkung hervorruft. Ferner wird bereits die ökonomische Motivation thematisiert, L. als ein erstrebenswertes Konsummuster zu betrachten. Mit solchen Überlegungen ist bereits eine stärker individualistische Betrachtung von L. verbunden, die sich anschließend mit den Arbeiten von Alfred Marshall und der Entwicklung des neoklassischen Forschungsprogramms zur heutigen Sichtweise in der Wirtschaftstheorie fortentwickelt hat.

3. Mikroökonomische Betrachtung

Im Rahmen einer üblichen Klassifikation werden in der volkwirtschaftlichen Teildisziplin der Mikroökomie Güter in normale, inferiore und superiore Güter unterteilt, wobei die Abgrenzung über das jeweilige Nachfrageverhalten der Haushalte erfolgt: Bei einem inferioren Gut sinkt die Nachfrage absolut, wenn sich das Einkommen erhöht; bei einem normalen Gut steigt die Nachfrage absolut bei einer Einkommenserhöhung; und bei einem superioren Gut (= L.-Gut) steigt die Nachfrage nicht nur absolut an, sondern sogar überproportional zur Höhe des Einkommensanstiegs.

Insb. im Zusammenhang mit L.-Gütern sind dabei zwei weitere Effekte, der Veblen-Effekt sowie der Snob-Effekt, von Relevanz. Der Veblen-Effekt geht zurück auf die Arbeit „A Theory of the Leisure Class“ (1899) des amerikanischen Ökonomen Thorstein Veblen, der darin den Müßiggang sowie den Geltungskonsum einer Klasse beschreibt, die aufgrund Ihres Reichtums nicht arbeiten muss. Ökonomisch interpretiert wird damit der Sachverhalt beschrieben, dass die Nachfrage nach spezifischen Gütern sogar ansteigen kann, obwohl der Preis für diese Güter gestiegen ist. In diesem Fall möchte also ein bestimmter Teil der Konsumenten durch den Konsum von teuren Produkten seinen Status darstellen und sich somit von anderen Individuen abgrenzen. Während bei dieser Art von Geltungskonsum also bestimmte Güter aufgrund ihres teureren Preises bevorzugt nachgefragt werden, spielt beim Snob-Effekt die Exklusivität des Gutes eines entscheidende Rolle. Bei Vorliegen des Snob-Effektes nimmt die Nachfrage eines Haushalts nach gewissen Gütern ab, wenn sich die Nachfrage aller anderen Haushalte nach solchen Gütern erhöht (und umgekehrt). Im Unterschied zum Veblen-Effekt, bei dem der Preis einen direkten Einfluss auf die Nachfragereaktion hat, liegt beim Snob-Effekt nur eine indirekte Preiswirkung vor, ausschlaggebend ist vielmehr die Differenz zwischen eigenem Konsum und dem Durchschnittskonsum (Gegenteil: Mitläufereffekt).