Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

1. Die Grundlagen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im Überblick

Die V. G. stellt eine umfassende statistische ex post Abbildung des makroökonomischen Geschehens einer Volkswirtschaft für einen gegebenen Zeitraum – meist ein Jahr – dar. Da sich das Gesamtsystem der V.n G. aus mehreren Teilrechnungen zusammensetzt, wird es auch oftmals im Plural als „V. G.en“ bezeichnet. Die V. G. bildet ein in sich konsistentes System von makroökonomischen Beziehungen ab, welches auf dem Konzept der volkswirtschaftlichen Kreislaufanalyse basiert und i. d. R. von den jeweiligen statistischen Behörden eines Landes in Kontenform publiziert wird. Aus ihr lassen sich zentrale ökonomische Größen, wie etwa das BIP oder das BNE, sowie deren Zusammensetzung ableiten.

Die aus der V.n G. gewonnen aggregierten Daten stellen die zentrale Grundlage für die Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes über die Zeit hinweg und im internationalen Vergleich zu anderen Ländern dar. Sie ist damit ein unverzichtbares Element für die Wirtschaftskunde. Neben dem rein beschreibenden Charakter ist die V. G. aber auch die zentrale Datenbasis für die empirische Wirtschaftsforschung. Diese dient der Untersuchung von kausalen Wirkungszusammenhängen in der Volkswirtschaft, welche wiederum als unverzichtbare Grundlage sowohl für wirtschaftspolitische Entscheidungen als auch für die Prognose der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung dienen. Damit ergibt sich eine enorme Bedeutung für die V. G. im Allgemeinen sowie für deren Datenqualität im Besonderen.

1.1 Systematik und grundlegende Konzepte der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Das Statistische Bundesamt, welches in Deutschland die maßgebliche Verantwortung für die Erstellung der V.n G. trägt, unterscheidet insgesamt sieben Teilsysteme der V.n G. Das zentrale System ist dabei die Berechnung des Inlandsprodukts und des Nationaleinkommens. Dazu werden gemäß der Abb. 1 sechs weitere sog.e Nebenrechnungen unterschieden, wobei die Zuständigkeit für die Außenwirtschaftsrechnung bei der Deutschen Bundesbank liegt. Michael Frenkel, Klaus Dieter John und Ralf Fendel sowie Dieter Brümmerhoff und Michael Grömling bieten eine sehr detailierte Darstellung aller Teilrechnungen der V.n G.

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Abb. 1: Die Teilbereiche der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Da sich das gesamte Wirtschaftsgeschehen aus einer enormen Vielzahl von Einzeltransaktionen von sehr heterogenen Wirtschaftseinheiten zusammensetzt, muss diese Komplexität im Zuge der V.n G. möglichst zweckmäßig reduziert werden. Dieser Vorgang wird als Aggregation bezeichnet. Dies geschieht einerseits durch die Gliederung der volkswirtschaftlichen Akteure nach aggregierten Sektoren sowie andererseits durch die Kategorisierung von deren ökonomischen Aktivitäten. In einer sehr grundlegenden Gliederung, die der im folgenden Abschnitt dargestellten Kreislaufanalyse zugrunde liegt, werden i. d. R. vier Sektoren unterschieden:

a) Unternehmen,

b) private Haushalte,

c) Staat und

d) Ausland.

Die prinzipiellen ökonomischen Aktivitäten dieser Sektoren sind:

a) Einkommensschaffung durch Produktion von Waren und Dienstleistungen,

b) Einkommensempfang und Einkommensverwendung (z. B. für Konsum),

c) Vermögensbildung und

d) Finanzierungsaktivitäten.

Durch die V. G. werden dabei die jeweiligen Transaktionen (also der Übergang eines Gutes, einer Dienstleistung oder einer Forderung) zwischen den Sektoren erfasst und einer der Aktivitäten zugeordnet. Transaktionen innerhalb eines Sektors entfallen durch den Prozess der Konsolidierung. Von zentraler Bedeutung ist die Bewertung einer jeweiligen Transaktion, um dieser einen monetären Wert zuzuweisen. Wenn möglich, werden hierzu die Marktpreise verwendet. Bei Transaktionen, die jedoch keinen Marktpreis haben, wie etwa bei staatlicher Produktion (öffentliche Güter), entfällt diese Option und es wird auf die Herstellungskosten abgestellt. Bei der Interpretation der Daten ist es zudem wichtig, zwischen zeitraumbezogenen sog.en Stromgrößen (wie etwa dem Konsum) und zeitpunktbezogenen sog.en Bestandsgrößen (wie etwa dem Vermögen) zu differenzieren.

1.2 Generalrevisionen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Die V. G. in der BRD und damit auch das hier präsentierte Kontensystem des Statistischen Bundesamts basiert auf dem System der V.n G.en der Vereinten Nationen (System of National Accounts; SNA) und dem Europäischen System V.r G.en (ESVG). Zur Gewährleistung eines möglichst hohen Grades an internationaler Vergleichbarkeit wurden die der V.n G. zugrundeliegenden Konzepte, Definitionen, Klassifikationen und Bewertungsregeln von Beginn an auf internationaler Ebene festgelegt. Im Jahre 1952 wurde das weltweit erste SNA von den Vereinten Nationen vorgelegt.

Das System der V.n G. ist kein starres Gebilde, welches über die Zeit unverändert bestehen bleiben kann. Vielmehr ergibt sich aus institutionellen Änderungen und Änderungen des Informationsbedarfs ebenso wie aus den praktischen Erfahrungen im Umgang mit Gesamtrechnungssystemen ein laufender Anpassungsbedarf. Eine starke Umgestaltung dieser Systeme in kurzen Zeitabständen verbietet sich jedoch, weil die Vergleichbarkeit der zur Verfügung gestellten Daten über Zeiträume hinweg zu sehr eingeschränkt werden würde. Weitergehende Revisionen der V.n G. wurden und werden in Zukunft daher nur in größeren Zeitabständen von etwa 15 Jahren vorgenommen. Ein wesentliches Ziel der Revisionen ist zudem die Verbesserung der internationalen Vergleichbarkeit der Daten. Mit jeder Revision erfolgt zudem eine großzügige Rückrechnung der wesentlichen Datenreihen durch das Statistische Bundesamt, um eine historische Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Nach dessen Einführung folgten Überarbeitungen des SNA in den Jahren 1968 und 1993. Die jüngste Version stammt aus dem Jahre 2008 (SNA 2008) und wurde gemeinsam von der UNO, dem IWF, der Weltbank, der OECD und der Europäischen Kommission herausgegeben. Das ESVG wiederum ist an das SNA angelehnt und setzt dieses für die Mitgliedstaaten der EU um. Entspr. der SNA-Revisionen folgten daher Überarbeitungen des ESVG in den Jahren 1970, 1995 und zuletzt 2010 (ESVG 2010). Da das ESVG den Mitgliedstaaten der EU durch eine entspr.e Verordnung verbindlich ab September 2014 vorgeschrieben ist, ist auch die deutsche V. G. und damit die Inlandsproduktberechnung entspr. daran angepasst.

2. Die Kreislaufanalyse und Kontensysteme

Wie bereits erläutert, basiert die V. G. auf der Logik von kreislauftheoretischen Zusammenhängen innerhalb der Volkswirtschaft. Diese Zusammenhänge werden von den jeweils zuständigen statistischen Behörden in Kontenform mit den hierfür erhobenen Daten in stark verdichteter Form dargestellt.

2.1 Der Wirtschaftskreislauf und zentrale Identitäten

In der Kreislaufanalyse (Wirtschaftskreislauf) stellt jeder Sektor einen sog.en Pol dar, der durch Zu- und Abflüsse gekennzeichnet ist, welche die Interaktionen zwischen den Sektoren innerhalb der Volkswirtschaft darstellen. Die Abb. 2 zeigt die Kreislaufbeziehungen. Eine Besonderheit stellt hierbei der fiktive Pol der Vermögensänderung (VÄ) dar, welcher die Finanzierungs- und Ersparnisaktivitäten sowohl innerhalb der Volkswirtschaft als auch über die Leistungsbilanz in der Beziehung zum Ausland abbildet.

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Abb. 2: Der Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft

In der Abb. 2 sind dabei lediglich die monetären Ströme dargestellt, welchen i. d. R. jeweils ein sog.er realer Strom in entgegengesetzter Richtung entspricht. So fließen Konsumausgaben (monetärer Strom) von den Haushalten zu den Unternehmen und in die Gegenrichtung fließen hierfür die Konsumgüter (realer Strom). Nur bei sog.en einseitigen Transaktionen ist dies nicht der Fall. Hierzu zählen die Transfers (Tr), die Subventionen (Z) und die Übertragungen an das Ausland (Ü). Da jeder Pol durch die Gleichheit von monetären Zu- und Abflüssen gekennzeichnet ist, lassen sich aus der Kreislaufanalyse zugl. zentrale makroökonomische Identitäten ableiten.

Für eine offene Volkswirtschaft lässt sich etwa eine zentrale Identität hinsichtlich der Beziehung zwischen Ersparnis, Investition und Leistungsbilanzsaldo ableiten. Übersteigt das gesamtwirtschaftliche Sparen die gesamtwirtschaftliche Investition, so impliziert dies einen Leistungsbilanzüberschuss, et vice versa. Herbei bilden einbehaltene Gewinne die Ersparnis des Unternehmenssektors und die Differenz aus den Einnahmen und den nichtinvestiven Ausgaben des Staates bildet das staatliche Sparen. Entspr.e Differenzen zwischen Ersparnis und Investitionen im Unternehmenssektor bzw. beim Staat werden als deren Finanzierungssalden bezeichnet. Fasst man also den Finanzierungssaldo des inländischen privaten Sektors (Haushalte und Unternehmen) zusammen und stellt ihn gemeinsam mit dem des Staates dem Finanzierungssaldo des Auslands gegenüber, erhält man:

(SH + SU – IU) + (SSt – ISt) = Lb

bzw. mit dem Budgetsaldo des Staates FSt (= SSt – ISt):

(SH + SU – IU) + FSt = Lb.

Ein Leistungsbilanzüberschuss (Lb > 0) impliziert hiernach also z. B., dass der Finanzierungsüberschuss der Privaten größer ist als ein evtl. bestehendes staatliches Finanzierungsdefizit.

2.2 Das Kontensystem des Statistischen Bundesamtes

Zum Zwecke der statistischen Aufbereitung und Darstellung wird die Logik der Kreislaufanalyse im Zuge der V.n G. in ein komplexes Kontensystem überführt. Im Folgenden wird das vom Statistischen Bundessamt verwendete Kontensystem überblicksartig skizziert. Die vom ESVG 2010 vorgegebene Gliederung ist hierbei wesentlich komplexer als in der Kreislaufanalyse zunächst dargestellt und differenziert nochmals innerhalb einzelner sog.er Hauptsektoren, die mit den Polen der Kreislaufanalyse vergleichbar sind. Anstelle der typischerweise in der Kreislaufanalyse unterstellen vier Sektoren/Polen wird die Volkswirtschaft nach ESVG 2010 jedoch in die folgenden sechs Hauptsektoren eingeteilt:

a) Sektor der Nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften: Dieser Sektor umfasst jene Wirtschaftseinheiten, deren Transaktionen sich von jenen ihrer Eigentümer unterscheiden und die zudem als sog.e Marktproduzenten in ihrer Haupttätigkeit Waren und nichtfinanzielle Dienstleistungen produzieren. Dazu zählen z. B. (produzierende) Aktiengesellschaften und GmbHs, aber auch (produzierende) Genossenschaften. Dies ist im Wesentlichen mit dem Unternehmenssektor in der Kreislaufanalyse in Abb. 2 gleichzusetzen.

b) Sektor der Finanziellen Kapitalgesellschaften: Hierzu zählen jene Wirtschaftseinheiten, deren Hauptfunktion die finanzielle Mittlertätigkeit ist, also im Wesentlichen die Kredit- und Versicherungsunternehmen sowie entspr.e Makler- und Beratungstätigkeiten. Die Unternehmen des Finanzsektors erfahren also eine bes. Stellung innerhalb der V.n G., was daran liegt, dass deren Wertschöpfung nicht so einfach zu beziffern ist, wie bei den produzierenden Unternehmen.

c) Staat: Dieser Sektor umfasst institutionelle Einheiten, die zu den Nichtmarktproduzenten zählen und deren Finanzierung über Zwangsabgaben von Einheiten anderer Sektoren erfolgt, sowie institutionelle Einheiten, die hauptsächlich Vermögen und Einkommen umverteilen. Dies umfasst etwa die Gebietskörperschaften und die Sozialversicherung. Die Gebietskörperschaften sind Bund, Länder und Gemeinden. Zur Sozialversicherung gehören die gesetzliche Rentenversicherung, die Arbeitslosenversicherung und die gesetzliche Krankenversicherung.

d) Private Haushalte (Haushalt, privater): Dieser Sektor umfasst alle Einzelpersonen und Gruppen von Einzelpersonen in ihrer Funktion als Konsumenten und ggf. auch in ihrer Eigenschaft als Produzenten, die marktbestimmte Waren, nichtfinanzielle und finanzielle Dienstleistungen produzieren (Marktproduzenten) soweit die Produktion nicht durch separate Einheiten (also den beiden vorgenannten Unternehmenssektoren) erfasst werden. Zum Sektor der privaten Haushalte gehören demnach auch selbständige Landwirte, Einzelunternehmer, freiberuflich Tätige (Freie Berufe), Händler, Gastwirte usw. Diese Abgrenzung widerspricht partiell der intuitiven Vorstellung von einem privaten Haushalt, die der Kreislaufanalyse zugrunde lag, folgt jedoch praktischen Überlegungen, dass die konsumierenden und produzierenden Tätigkeiten im Haushaltssektor oftmals statistisch nicht sauber zu trennen sind.

e) Private Organisationen ohne Erwerbszweck: Dies umfasst Organisationen mit eigener Rechtspersönlichkeit, die ohne Erwerbsabsicht als private sonstige Nichtmarktproduzenten für die privaten Haushalte sog.e nichtmarktbestimmte Dienstleistungen bereitstellen. Ihre Hauptmittel stammen aus freiwilligen Geld- und Sachbeiträgen von privaten Haushalten (Spenden), aus Zahlungen des Staates sowie aus Vermögenseinkommen (Stiftungen). Zu den privaten Organisationen ohne Erwerbszweck gehören u. a. Gewerkschaften, politische Parteien, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Fachverbände und wissenschaftliche Gesellschaften, Sportvereine und auch die Wohlfahrtsverbände. Dieser Sektor trägt der enormen Bedeutung dieser Organisationen in der Realität Rechnung, ist aber in der Kreislaufanalyse i. d. R. vernachlässigt.

f) Übrige Welt: Hierzu zählen alle Wirtschaftseinheiten, die ihren ständigen Sitz bzw. Wohnsitz außerhalb Deutschlands haben, sofern sie Transaktionen mit in Deutschland ansässigen institutionellen Einheiten durchführen oder andere Wirtschaftsbeziehungen mit in Deutschland ansässigen Einheiten unterhalten. Es sei angemerkt, dass es nicht die Nationalitätenangehörigkeit ist, die darüber entscheidet, ob eine Wirtschaftseinheit dem Inland oder der übrigen Welt zugerechnet wird.

Für jeden dieser Sektoren werden deren wirtschaftliche Transaktionen nach den Regeln der doppelten Buchführung (Doppik) nun in entspr.en Konten geführt, die wiederum jeweils eine bestimmte ökonomische Aktivität widerspiegeln. Das so entstehende Kontensystem wird als Matrix in Abb. 3 dargestellt, wobei das Statistische Bundesamt jeweils auch Konten für die gesamte Volkswirtschaft (erste Spalte) ausweist und die beiden Sektoren der privaten Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck oftmals in seinen Publikationen zusammenfassend publiziert, trotzdem die jeweiligen Daten separat erhoben werden. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Ergebnisse des gesamten Kontensystems jährlich in seiner Fachserie 18, Reihe 1.4: „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Inlandsproduktberechnung, Detaillierte Jahresergebnisse“.

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Abb. 3: Das Kontensystem des Statistischen Bundesamtes im Überblick

In diesem komplexen Kontensystem, in welchem jeweils Salden an korrespondierende Konten weitergegeben werden, nimmt das Gesamtwirtschaftliche Produktionskonto die zentralste Stellung ein. Aus diesem lassen sich wie im Folgenden dargestellt die zentralen makroökonomischen Kennzahlen wie etwa das BIP und dessen Zusammensetzung direkt ablesen.

3. Das Bruttoinlandsprodukt und verwandte Konzepte

3.1 Bruttoinlandsprodukt und Bruttonationaleinkommen

Das Konzept des Inlandsprodukts stellt auf die Produktion bzw. die Einkommen ab, die innerhalb der Grenzen eines Landes entstehen. Dieses Konzept versucht ein Maß dafür zu finden, wie leistungsstark eine Volkswirtschaft ist. Eine verwandte aber leicht anders ausgerichtete Konzeption fragt danach, wie hoch die Produktion bzw. die Einkommen derjenigen sind, die Inländer der betrachteten Volkswirtschaft sind. Der Unterschied hängt damit zusammen, dass im Inland Einkommen entstehen, die an Ausländer, also an Individuen oder Institutionen gezahlt werden, die ihren Wohnsitz bzw. Sitz im Ausland haben. Ebenso erzielen Inländer Einkommen, die aus Leistungen entstehen, die im Ausland erbracht werden. Letztere Einkommen entstehen z. B., wenn Inländer Einkommen für die Vermietung von Wohnflächen im Ausland erzielen, wenn sie Honorare bzw. Einkommen im Ausland erzielen oder Dividenden oder Zinsen auf im Ausland emittierte Wertpapiere erhalten. Fügt man solche Einkommen dem BIP hinzu und zieht die im Inland von Ausländern erzielten Leistungen bzw. Einkommen ab, erhält man das BNE:

Bruttoinlandsprodukt

+ im Ausland entstandene Einkommen der Inländer

– im Inland entstandene Einkommen an Ausländer

= Bruttonationaleinkommen (BNE).

Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass das BIP auf dem Inlandskonzept, das BNE dagegen auf dem Inländerkonzept beruht. Das BNE kann als ein Maß für den materiellen Wohlstand der Wohnbevölkerung angesehen werden. In Deutschland ist das BNE regelmäßig höher als das BIP, weil Deutschland vergleichsweise hohe Auslandsvermögen hält, auf die jährlich erhebliche Einkommen aus dem Ausland an die Inländer fließen. Andere Länder hingegen, bei denen eine hohe Auslandsverschuldung vorliegt, haben ein BNE, das niedriger ist als das BIP.

3.2 Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung

Die Daten des BIP und des BNE können für die Analyse wichtiger Aspekte der ökonomischen Situation oder Entwicklung einer Volkswirtschaft herangezogen werden. Hierzu zählt zum einen die Entstehungsrechnung, bei der es um die Frage geht, in welchen Teilen oder Branchen einer Volkswirtschaft die Produktion oder Leistungserstellung bzw. damit zusammenhängend die Einkommen entstehen. In einer sehr groben Untergliederung könnte man aufzeigen, wie hoch im Bereich der privaten Gütererstellung die Anteile des Agrarsektors, des Industriesektors und des Dienstleistungssektors sind. Wenig entwickelte Volkswirtschaften haben typischerweise einen relativ hohen Anteil des Agrarsektors, während sich entwickelnde Volkswirtschaften einen zunächst zunehmenden Anteil des Industriegütersektors haben und bei modernen Volkswirtschaften der Anteil des Dienstleistungssektors. Statistische Ämter nehmen hierbei eine sehr viel tiefergehende Gliederung vor und unterschieden eine Reihe von verschiedenen Branchen im Industrie- und im Dienstleistungssektor.

Die Verwendungsrechnung hat zum Ziel, die Anteile von Konsum und Investitionen am gesamten Produktionsergebnis zu bestimmen. Hiermit können z. B. Aussagen darüber hergeleitet werden, wie stark eine Volkswirtschaft in den zukünftig in der Produktion einsetzbaren Kapitalstock investiert und damit Wachstumspotentiale schafft. Volkswirtschaften, die – im Extremfall – die Produktion ausschließlich für den Konsum erstellen, sind solche, in denen die Wachstumskräfte in der Zukunft geringer ausfallen. Bei der Verteilungsrechnung steht die Frage im Vordergrund, wie hoch die Anteile der verschiedenen Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit und Kapital) an der mit der Produktion verbundenen Einkommen sind. So kann von Bedeutung sein, wie hoch die Einkommensanteile von Arbeitnehmern (in Form von Lohneinkommen) und Kapitaleignern (Zins- und Dividendeneinkommen) sind bzw. wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Hieraus leitet die Wirtschaftspolitik nicht selten Aussagen über die Entwicklung der Einkommensverteilung (Verteilung) ab.

Bei der Interpretation der Entwicklung des BIP ist es wichtig, zwei Einflüsse auf dessen Veränderung zu unterscheiden. Das BIP kann zunehmen, wenn in einer Volkswirtschaft mehr produziert wird und es kann zunehmen, wenn die Preise der produzierten Güter steigen. Letzteres ist insb. dann der Fall, wenn eine allg.e, d. h. praktisch alle Güter betreffende Inflation den Gesamtwert der Produktion bzw. Einkommen beeinflusst. Steigt hingegen das BIP, weil mehr Güter hergestellt werden, so stehen auch mehr Güter zum Verkauf bzw. der Verteilung zur Verfügung. Die anhand der aktuellen Preise bewertete gesamtwirtschaftliche Produktion nach dem Inlandskonzept nennt man das nominale BIP. Bewertet man dagegen die Produktion mit dem gegenüber dem Vergleichszeitraum konstanten Preisen, spricht man vom realen BIP. Der Anstieg des realen BIP wird als das Wachstum einer Volkswirtschaft (Wirtschaftswachstum) bezeichnet. Würde das nominale BIP demnach nur inflationsbedingt zunehmen, würde man davon sprechen, dass zwar das nominale BIP angestiegen ist, das reale BIP aber konstant geblieben ist.

3.3 Kritik und Erweiterungen der Konzeption des Bruttoinlandsprodukts

Das BIP bzw. das BNE wird häufig als Indikator des Wohlstands einer Gesellschaft angesehen. Bei der Beurteilung der Aussagefähigkeit des BIP sind allerdings eine Reihe von Einschränkungen zu bedenken. Zu den wichtigsten Einschränkungen gehören die folgenden:

a) Das BIP berücksichtigt v. a. Leistungen und Einkommen, die über den Markt abgerechnet werden. Nachbarschaftshilfe, freiwillige Tätigkeiten, Herstellung von Gütern in Subsistenzwirtschaft und ähnliches berücksichtigt die Berechnung des BIP nicht.

b) Die mit der Erstellung des BIP einhergehenden Umweltschäden, die u. U. zu späteren Kosten führen, werden im BIP nicht berücksichtigt. Solche negativen externen Effekte (Externe Effekte) gehen ebenso wenig in die BIP-Berechnung ein wie positive externe Effekte (sozial Erträge, z. B. die Wertsteigerung eines Hauses bei aufwändiger Pflege der Grundstücke der Nachbarn).

c) Ebenfalls unberücksichtigt bleibt, dass bei Abbau nicht regenerativer Ressourcen die zukünftigen Einkommenspotential vermindert werden.

d) Auch ehrenamtliche Tätigkeiten (Freiwilligenarbeit), informelle Hilfen, unbezahlte Pflege und Betreuung sowie Haus-und Gartenarbeit einschließlich handwerkliche Tätigkeiten ohne Bezahlung finden im BIP keine Berücksichtigung.

e) Mit dem BIP kann keine Aussage darüber getroffen werden, mit welcher politischen Freiheit oder Unfreiheit, Arbeitszeit oder Arbeitsbedingung die Produktion verbunden war.

Es ließe sich argumentieren, dass die aufgeführten Einschränkungen keine Kritikpunkte am BIP darstellen, denn mit dem BIP kann nicht mehr als die Summe der über den Markt abgewickelten Produktionsleistungen erfasst werden. Insofern dürfte das BIP gar nicht erst als Wohlfahrtsindikator verwendet werden. Dennoch entsteht immer wieder der W…unsch, das BIP in dieser Weise zu interpretieren. Vor dem Hintergrund der Einschränkungen der Aussagefähigkeit des BIP als Wohlfahrtsindikator wurden verschiedene Alternativkonzepte entwickelt, die darauf abstellen, die Wohlfahrt besser zu erfassen, als dies durch das BIP geschieht.

Der bekannteste Alternativvorschlag zum BIP als Wohlfahrtsindikator ist der Humand Development Index (HDI). Er wurde von den Vereinten Nationen entwickelt und stellt eine Erweiterung der BIP-Berechnung dar. Der HDI ist eine Zusammenführung dreier Messbereiche: Lebenserwartung, Ausbildung und Pro-Kopf-Einkommen. Für jeden der drei Bereiche wird zunächst ein eigener Index berechnet. Anschließend werden die drei Indizes, zu einem Gesamtindex zusammengefasst, der konstruktionsbedingt zwischen null und eins liegt. Höhere Werte spiegeln ein höheres Niveau der menschlichen Entwicklung wider. Die UNO veröffentlicht jährlich die Ergebnisse für alle Mitgliedsländer. Deutschland liegt mit einem Wert von regelmäßig über 0,9 typischerweise unter den ersten zehn von knapp 200 Ländern. Es lässt sich leicht argumentieren, dass der HDI ein umfassenderes Maß für die Wohlfahrt eines Landes ist. Anders als das BIP gibt der HDI keine Wertentwicklung im Laufe der Zeit an, sondern stellt auf die relative Position eines Landes ab. Vergleicht man allerdings das auf dem HDI basierende Ranking mit dem des BIP, so stellt man große Ähnlichkeiten in der Reihenfolge fest. Zwar gibt es einige Länder, deren Rankingplatz in einem der beiden Systeme von dem in dem anderen System abweicht, aber ein Abweichen von mehr als einigen Plätzen ist selten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass nur Länder mit einem höheren BIP sich normalerweise auch bessere Ausbildungs- und Gesundheitssysteme leisten können.

Eine andere Alternative zum BIP stellt der von der OECD entwickelte Better Life Index dar. Er wird allerdings ausschließlich für die OECD-Länder ermittelt. Die OECD definiert elf Teilbereiche (z. B. Einkommen Wohnverhältnisse, Beschäftigung, Umwelt, Sicherheit), die für die Beurteilung der Lebensverhältnisse herangezogen werden. Einige der Teilbereiche setzen sich aus verschiedenen Unterkategorien zusammen. Die Spitzenreiter in diesem Ranking weisen einen Wert von 8 auf. Je höher der Wert ist, desto besser werden die Lebensbedingungen eingestuft. Der Gesamtindex ist so konstruiert, dass er zwischen null und zehn liegt. Deutschland liegt auch hier auf den vorderen Plätzen. Vergleicht man das sich hier ergebende Ranking mit dem des HDI, fällt auf, dass auch hier die Unterschiede nicht sehr groß sind.

Eine andere Zielrichtung hat die Glückforschung, die in den letzten drei Jahrzehnten an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Dieser Forschungsbereich bekam zusätzlichen Auftrieb durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 (Krise, Finanzmarktkrise) und ihren Folgeerscheinungen. Insb. kamen in diesem Zusammenhang Zweifel darüber auf, ob steigende Einkommen die Menschen tatsächlich glücklicher macht, oder ob das Streben danach nicht häufig zu ethisch problematischem Verhalten und infolgedessen zu gesellschaftlichen Nachteilen einschließlich der Verursachen von Krisen führen kann. Bei dem hier im Mittelpunkt stehenden Begriff &pfv;„Glück“ geht es nicht um das Zufallsglück, sondern um das, was man mit „Glücklich Sein“ versteht. Die leicht missverständliche Wortwahl kommt von der Übersetzung von happiness ins Deutsche. Die Zielrichtung legt es nahe, dass die Grundlage eines auf dem Begriff des Glücks basierenden Ansatzes sehr stark getrieben wird durch Umfragen und deren Auswertungen (Demoskopie). Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte sind verschiedene Indikatoren entwickelt worden, die sich jeweils als ein Maß von happiness verstehen. So berechnet die Denkfabrik New Economics Foundation einen Happy Planet Index (HPI), der die Maße von individueller Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung und ökologischen Zustand verbindet. Auch das Land Bhutan ermittelt jährlich einen Happiness-Index. Die in Deutschland am weitesten verbreitete Untersuchung zu dem in der Glücksforschung angesprochenen Themenbereich ist jene, die mit der Erstellung des sozio-ökonomischen Panels zusammenhängt. Hier werden jährlich etwa 30 000 Teilnehmer aus etwa 11 000 Haushalten danach gefragt, wie zufrieden sie derzeit, alles in allem, mit ihrem Leben sind. Entgegen manchen Strömungen der Glücksforschung zielt das sozio-ökonomische Panel aber nicht darauf ab, das BIP in seiner Aussagekraft zu ersetzen.

Die Glücksforschung hat zwar nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise recht große Aufmerksamkeit erhalten, aber sie ist mit erheblichen Problemen bei der Interpretation und bei der zeitlichen und internationalen Vergleichbarkeit verbunden. Die individuelle Einschätzung der Zufriedenheit ist stark situativ bedingt, hängt folglich sehr davon ab, in welcher Situation diese Frage beantwortet wird. Eine Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Personen ist außerdem sehr schwierig, weil deren Einschätzung unterschiedlichen Maßstäben folgen kann. Noch schwieriger ist ein Vergleich zwischen verschiedenen Ländern.

4. Nebenrechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Während die Daten rund um die Inlandsproduktberechnung Gegenstand der zentralen Rechnungssysteme der V.n G. sind, gibt es einige andere statistische Rechnungssysteme, die ökonomische Transaktionen erfassen und aufzeigen, die mit dem Inlandsprodukt verbunden sind. Sie werden wie bereits erwähnt als Nebenrechnungen der V.n G. bezeichnet. Die nachfolgenden Abschnitte skizzieren die wesentlichen Inhalte dieser Rechnungssysteme.

4.1 Die Input-Output-Rechnung

Im Mittelpunkt der Input-Output-Rechnung stehen die Vorleistungsverflechtungen der einzelnen Wirtschaftsbereiche einer Wirtschaft. Gerade in einer zunehmend arbeitsteiligen Wirtschaft ist es für die Analyse verschiedener Wirkungszusammenhänge wichtig zu wissen, inwieweit die Veränderungen in einem Wirtschaftsbereich Auswirkungen auf andere Wirtschaftsbereiche haben. In gleicher Weise ist es bedeutsam zu wissen, wie einzelne Wirtschaftsbereiche direkt und indirekt von Veränderungen der Nachfrage oder ausländischen Preisen betroffen werden. Geht z. B. die Nachfrage nach Autos zurück, betrifft dies nicht nur die Automobilindustrie, sondern eine Reihe von Vorlieferanten und deren Vorlieferanten.

Im Prinzip startet die Input-Output-Rechnung von Produktionskonten (gemäß Abb. 3, jedoch nach Wirtschaftssektoren differenziert) einzelner Wirtschaftsbereiche. Nimmt man z. B. an, es gäbe drei Wirtschaftsbereiche, so könnten deren Produktionskonten wie folgt skizziert werden (K = Käufe, V = Verkäufe; 1,2,3 = Wirtschaftsbereiche).

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Als nächstes trennt man die Spalten der Käufe und der Verkäufe und schiebt die drei Spalten der Käufe zusammen und verfährt mit den drei Spalten der Verkäufe in gleicher Weise. Anschließend dreht man nun die Spalte der Käufe um 90 Grad nach links und berücksichtigt, dass die Käufe der Wirtschaftsbereiche teilweise die Verkäufe der anderen Wirtschaftsbereiche sind (Vorleistung), so ergibt sich:

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Diese Struktur stellt die Basis der sog.en Input-Output-Tabelle dar. Sie besteht aus drei Teilen, der Vorleistungsmatrix, die letztlich die inländischen Vorleistungsverflechtungen darstellt, der Endnachfragematrix, die auf die inländischen und ausländischen Verwendungen hinweist, und der Primäraufwandsmatrix, die insb. auf die inländischen Produktionsfaktoren, die Gütersteuern abzüglich der Gütersubventionen sowie die Importe hinweist.

Berechnet man aus den hier eingetragenen Beträgen Anteile an den entspr.en Spaltensummen, gelangt man zu den sog.en Input-Koeffizienten. Sie zeigen die Bedeutung der einzelnen Wirtschaftsbereiche für die gesamten Aktivitäten eines Wirtschaftsbereiches auf. Mittels darauf aufbauender analytischer Verfahren lassen sich dann insb. Fragen nach den Auswirkungen bestimmter Störungen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche beantworten. Als Störungen können hierbei z. B. Importpreissteigerungen, Lohnsteigerung, Gütersteuererhöhungen, staatliche Ausgabenprogramme zur Anregung der wirtschaftlichen Aktivität sowie Nachfrageverlagerungen oder Nachfrageeinschränkungen herangezogen werden.

4.2 Vermögensrechnung

Ziel der Vermögensrechnung ist das Aufzeigen von Beständen verschiedener Vermögensarten (Vermögen) und das Reinvermögen einzelner Wirtschaftseinheiten und einzelner Wirtschaftsbereiche. Die Angaben können insb. Informationen über die Veränderung der Vermögensverteilung, über den Kapitalstock und die Kapitalintensität der Volkswirtschaft und einzelner Bereiche liefern.

Zur Analyse der Vermögensbestände und ihrer Veränderungen im Zeitablauf ist es zunächst wichtig, den Vermögensbegriff zu definieren. Er kann sehr breit ausgerichtet werden und dann sehr unterschiedliche Vermögensarten umfassen. Sie lassen sich in drei grundsätzliche Vermögensgruppen unterteilen:

a) Sachvermögen (produziertes Vermögen wie Gebrauchsvermögen der Haushalte und Produktivvermögen in Form von Anlagen und Vorräten der Unternehmen),

b) Immaterielles Vermögen (insb. Humankapital, Patente und Lizenzen),

c) Geldvermögen (insb. Bargeld, Kontoguthaben, festverzinsliche Wertpapiere und Aktien).

Bildet man die Summe aus Sachvermögen, immateriellem Vermögen und dem um die Verbindlichkeiten reduzierten Geldvermögen (letzteres stellt die Nettoauslandsposition dar), so gelangt man zum Umfang des Volksvermögen oder Reinvermögen einer Volkswirtschaft. Ein bedeutendes Problem der Vermögensberechnung besteht in der Bewertung von Vermögen. Während dies beim Geldvermögen vergleichsweise einfach ist, ist die Bewertung des Sachvermögens und des immateriellen Vermögens deutlich schwieriger.

4.3 Finanzierungsrechnung

In der Finanzierungsrechnung wird der Frage nachgegangen, in welchen Bereichen innerhalb eines Jahres in welchem Umfang und in welcher Form Finanzierungsmittel dem Finanzmarkt zugeführt wurden und in welcher Form diese in Anspruch genommen wurden. Hierbei wird nach verschiedenen Sektoren der Wirtschaft unterschieden, insb. in private Haushalte, Banken und Versicherungen, Staat und Ausland.

Aus der Finanzierungsrechnung ergibt sich z. B., wie Unternehmen ihre Investitionen finanziert haben, wer die staatlichen Verbindlichkeiten erworben hat und in welchem Umfang Wirtschaftseinheiten Forderungen gegenüber dem Ausland aufgebaut haben. Sie zeigt außerdem, in welcher Form die privaten Haushalte sparen und damit ihren Vermögensaufbau vornehmen.

4.4 Außenwirtschaftsrechnung

Das zentrale Rechnungswerk der Außenwirtschaftsrechnung ist die Zahlungsbilanz. Sie stellt die Erhebung der unterschiedlichen Transaktionen zwischen Personen und Institutionen des Inlands einerseits und der entspr.en Gruppen im Ausland andererseits dar. Sie umfassen den Export und den Import von Gütern und Dienstleistungen sowie den Auf- und Abbau von internationalen Vermögenspositionen und Verbindlichkeiten. Regelmäßig erfasst werden hierbei auch die regionalen Strukturen, die Auskunft darüber geben, welche Länder für die verschiedenen internationalen Transaktionen bedeutsam sind oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums an Bedeutung gewonnen oder verloren haben.

Neben den internationalen Transaktionen erfasst die Außenwirtschaftsrechnung auch Wechselkurse und Außenhandelspreise. Hieraus lassen sich Aussagen darüber ableiten, wie sich Exportpreise relativ zu Importpreisen entwickelt haben und ob die Kaufkraft der inländischen Währung gegenüber dem Ausland zugenommen oder abgenommen hat.