North American Free Trade Agreement (NAFTA)

1. Begriffsdefinition

Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) ist ein zwischenstaatlicher Vertrag der Unterzeichnerländer Kanada, Mexiko und USA zur Schaffung einer Freihandelszone. Es trat am 1.1.1994 in Kraft und löste das seit 1989 bestehende Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den USA (CUSFTA) ab. Es ist dabei weder mit supranationalen Regierungsfunktionen noch mit einer Vorrangposition gegenüber nationalem Recht ausgestattet. Neben einem vollständigen Abbau von Zöllen auf Industriegüter und landwirtschaftliche Produkte innerhalb eines Zeitraums von 10–15 Jahren nach Inkrafttreten des Abkommens, wurde auch eine Verringerung von Handelsbarrieren im Dienstleistungshandel, insb. im Banken-, Energie- und Transportsektor, sowie bei grenzüberschreitenden Investitionen und bei der Vergabe öffentlicher Aufträge angestrebt. Ebenso wurde eine Harmonisierung von Standards für Lebensmittel- und Produktsicherheit, und zudem die Stärkung des Schutzes von geistigem Eigentum vereinbart. NAFTA enthält zudem zwei Seitenabkommen: Eines zur Förderung einer Kooperation der Vertragsstaaten bei der Umsetzung von Umweltschutzgesetzen (NAAEC) und eines zur Förderung von Arbeitnehmerrechten und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen innerhalb der NAFTA-Staaten (NAALC).

2. Ökonomische Auswirkungen von NAFTA

Obwohl die ökonomischen Effekte von NAFTA aufgrund der voranschreitenden Globalisierung und der damit einhergehenden dynamischen Entwicklung des Welthandels vielfach nicht eindeutig zugeordnet werden können, kommen die meisten Studien zu einer positiven Einschätzung für alle drei Teilnehmerländer. Hierbei wird das Abkommen als Treiber einer für alle NAFTA-Länder vorteilhaften, vertieften ökonomischen Interdependenz gesehen. Diese Interdependenz zeigt sich einerseits durch eine verstärkte horizontale Integration im Hinblick auf den Waren- und Dienstleistungsverkehr, und andererseits durch eine zunehmende vertikale Integration internationaler Wertschöpfungsketten im NAFTA-Gebiet. So hat sich das Handelsvolumen der NAFTA-Länder im Zeitraum von 1994–2015 mehr als vervierfacht. Mehr als die Hälfte der aus Kanada und Mexiko in die USA importierten Waren sind Vorleistungen für die US-Industrie, während 40 % der Wertschöpfung mexikanischer Exporte in den NAFTA-Raum aus zuvor aus Kanada und den USA importierten Zwischenprodukten bestehen. Trotz der intensivierten Handelsbeziehungen innerhalb der Freihandelszone werden die ökonomischen Wirkungen auf die Partnerländer überwiegend als eher moderat eingeschätzt. Die durchschnittlichen Zollniveaus in Nordamerika waren schon vor Inkrafttreten von NAFTA recht gering und der Handel zwischen den USA und Kanada war durch CUSFTA zuvor bereits weitgehend liberalisiert.

In den USA kam es in Folge der Umsetzung der NAFTA-Bestimmungen zu keinen substanziellen Effekten auf die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungs- und Lohnniveaus, obwohl durchaus signifikante Auswirkungen in vereinzelten Industrien und Regionen der USA feststellbar sind. NAFTA hat dabei zu einer Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von US-amerikanischen Exportunternehmen v. a. im Agrarsektor, der Automobilindustrie und im Dienstleistungssektor beigetragen.

Kanada werden Produktivitätsgewinne für Firmen im produzierenden Gewerbe attestiert, die vermehrten Marktaustritten ausschließlich für den Heimatmarkt produzierender Unternehmen und dem Zuwachs an Marktanteilen produktiverer Exportunternehmen, sowie wettbewerbsbedingten Effizienzgewinnen auf Firmenebene zuzuschreiben sind. Während Arbeitsplätze in den schrumpfenden Sektoren verloren gingen, entstanden neue Beschäftigungsmöglichkeiten in den expandierenden Industrien, wobei der Nettobeschäftigungseffekt insgesamt leicht negativ ausfällt.

Auch in Mexiko führte NAFTA zu Strukturanpassungen, wobei insb. kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe aufgrund des stärkeren Wettbewerbsdrucks durch US-Agrarunternehmen negativ betroffen waren. NAFTA führte in Mexiko dennoch zu insgesamt positiven Beschäftigungs- und Lohneffekten, wobei aber zugl. die regionale und sektorale Lohnspreizung zugenommen hat. Der stärker industrialisierte Norden des Landes konnte dabei flexibler auf den durch NAFTA induzierten Strukturwandel reagieren als der stärker landwirtschaftlich geprägte Süden des Landes.

3. Perspektiven der nordamerikanischen Handelsintegration

Der nordamerikanische Kontinent ist durch NAFTA ökonomisch stärker integriert als es ohne das Abkommen möglich gewesen wäre. NAFTA hat in allen drei Teilnehmerländern jedoch zu sozialen Härten in den vom Strukturwandel negativ betroffenen Industrien und Regionen geführt, die zwar im Zuge der fortschreitenden Globalisierung ohnehin aufgetreten wären, durch NAFTA aber verstärkt wurden. Nachdem die USA das NAFTA-Abkommen im Jahre 2018 aufkündigten, wurde mit dem USA-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) ein neues trilaterales Freihandelsabkommen vereinbart. Zwar bleibt im USMCA ein Großteil des NAFTA-Vertragstextes erhalten, es sieht jedoch strengere Ursprung- und Quotenregelungen im Automobilsektor und verschiedenen anderen Industriebranchen vor. Außerdem enthält es zusätzliche Vorschriften zum Schutz geistigen Eigentums und zur Stärkung von Arbeitnehmerrechten. Neben einer zunehmenden Abschottung des nordamerikanischen Marktes steht zu befürchten, dass USMCA die unter NAFTA entstandenen Wertschöpfungsnetzwerke zwischen den USA, Kanada und Mexiko beeinträchtigt, und dadurch eine weitere Vertiefung der nordamerikanischen Handelsintegration behindert.