Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO)

Die ILO wurde 1919 im Rahmen der Versailler Verträge gegründet. Heute ist sie eine Sonderorganisation der UNO mit Sitz in Genf und mit 187 Mitgliedsstaaten. Kernanliegen der ILO ist die internationale Durchsetzung von Arbeits- und Sozialnormen zur Schaffung menschenwürdiger Arbeit und zur Armutsbekämpfung. Themenschwerpunkte sind dabei u. a. die Forderungen nach Vereinigungsfreiheit, Diskriminierungsverbot und Beseitigung der Kinder- und Zwangsarbeit.

Die exekutive Leitung der ILO obliegt dem Verwaltungsrat, der über die Agenda der ILO entscheidet und als Wahlgremium bei der Bestellung des Generaldirektors fungiert. Eine Besonderheit der ILO ist, dass nicht nur Regierungen im Verwaltungsrat vertreten sind, sondern auch Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen. Hierin kommt der Leitgedanke der ILO zum Ausdruck, dass der soziale und wirtschaftliche Fortschritt auf die Zuammenarbeit von Regierungen und Sozialpartnern (Sozialpartnerschaft) angewiesen ist.

Bei ihrer Gründung wurde die ILO als ein Instrument der Friedenssicherung (Frieden) konzipiert. Der Leitsatz ihrer Verfassung lautet „Der Weltfriede kann auf die Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden“ (ILO 2003: 7; urspr. 1919). Das Engagement der ILO für Gerechtigkeit und Frieden wurde im Jahre 1969, zum 50. Jahrestag ihres Bestehens, mit der Verleihung des Friedensnobelpreises gewürdigt.

Heute sieht sich die ILO in erster Linie als Vorkämpferin einer gerechten Globalisierung. Sie erarbeitet Empfehlungen und schließt mit Regierungen verbindliche Übereinkommen ab. Einmal jährlich halten die Mitgliedsländer in Genf die Internationale Arbeitskonferenz ab, an der die Empfehlungen und Übereinkommen, z. T. mit qualifizierter Mehrheit, verabschiedet werden. Die ILO bringt ihre Daten, Analysen und Politikempfehlungen auch regelmäßig in die Beratungen der G20 ein. Ein wichtiges Instrument zur Verwirklichung der gesetzten Ziele ist darüber hinaus die technische Zusammenarbeit – etwa in Form der Unterstützung bei der Herstellung des erforderlichen Rechtsrahmens sowie in den Bereichen der beruflichen Bildung, des sozialen Schutzes und der Arbeitssicherheit. Denn die Veränderungen der Arbeitswelt und die sozialen Probleme, die mit der Ausdehnung des Welthandels einhergehen, erlangten im Laufe der Zeit zunehmende Bedeutung: die Einhaltung von Sozialstandards im globalen Wettbewerb, die Bewahrung der Umwelt, die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Armut, und der Umgang mit internationalen Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften (Migration).

Die ILO flankiert ihre praktische Arbeit mit einem breiten Informationsangebot für die interessierte Öffentlichkeit. Sie stellt umfassende Datenbanken und Arbeitsmarktstatistiken bereit und veröffentlicht wissenschaftliche Analysen aus allen Bereichen der Arbeitsmarktforschung, mit denen sie die Arbeitsmarktpolitik ihrer Mitglieder unterstützt. Weltweite Verbreitung hat insb. der unter der Ägide der ILO von der Internationalen Konferenz der Arbeitsmarktstatistiker erarbeitete Standard zur Messung der Arbeitslosigkeit erfahren. Einflussreich ist zudem die Arbeit der ILO an der Entwicklung neuer Arbeitsmarktindikatoren und Definitionen, die eine internationale Vergleichbarkeit der Arbeitsmarktstatistiken ermöglichen sollen.

Flaggschiffe ihrer Öffentlichkeitsarbeit sind der World Employment and Social Outlook (ehemals World Employment Report), der Global Wage Report und der World Social Protection Report, die periodisch umfassende Bestandsaufnahmen der globalen Lohn- und Beschäftigungsentwicklung, der sozialen Bedingungen sowie weiterer ausgewählter Schwerpunktthemen vermitteln. Daneben stoßen auch das Yearbook of Labour Statistics als statistisches Grundlagenwerk und die International Labour Review als wissenschaftliches Periodikum auf ein breites Interesse der internationalen Fachwelt.